Stadtnachricht

25 Jahre Stotzinger Hexa


Bürgermeisterliche Würdigung zum Gombiger Doschtig
(verfasst von der Hexe von Strophingen und Vershausen)*

Grüß Gott ihr versammelten Leut,
mir ist es heut a wahre Freud,
vor euch zu stehn mit meinem Zylinder,
zu ergötzen „carne vale’s“ hiesige Kinder.
Hab mich extra fein gemacht,
ich hoff es wird auch viel gelacht.
Bin bekannt als KIENI, der Nette,
heut sogar mit neuer Kette.
Heut will will ich es endlich wagen,
auch einmal was Wichtiges zu sagen,
und treff ich nicht den gewünschten Ton,
lag‘s wie immer am Mikrophon.

Fünfundzwanzig Jahre lang
stand ich unter Hexenzwang,
wurd‘ beschimpft, verhöhnt, bezichtigt.
Heute endlich, heut läuft’s richtig,
heut‘ dreh ich den Spieß mal um:
denn heut red‘ ich – und ihr seid stumm.
Was ist denn in all den Jahren
trotz allem Hexenkunstgebaren
trotz aller Weisheit in dem Haufen
bei euch so richtig schiefgelaufen?
Ha, was kommt nur an da Anfang?
Die Liste, sie ist mächtig lang,
und würd ich wirklich alles nennen,
gäb’s am Ende Hexenflennen.
Und ich will doch lieber Lacher:
ich bin ja auch der Festlesmacher.
Mit Schimpf und Schande,
ganz ohne Jammer,
stelltet ihr mich an den Pranger:
ein Dickschädel, ein ganz grandioser,
ein Schuldenmacher, gnadenloser,
der alle Feste ungeniert
aus Steuergeldern finanziert.
Zu viel bauen würd ich, weil
ich sei einfach denkmalgeil.
Das war schon ein starkes Stück.
Heut, ihr Hexen, kommt’s zurück.
Was ist denn aus Euch geworden,
mutlos sind die Hexenhorden,
denn selbst das Krawattenschneiden
wurde zum Krawattenmeiden.
Wurd‘ früher auf der Ortsdurchfahrt
keinem Gendarm der Schnitt erspart
und jeder Binder rasch zertrennt,
so heißt es heut‘: Die Hexe pennt.
Vergisst schon mal, trotz viel Gezeter,
den Bürgermeister-Stellvertreter.
Ich will ja jetzt nicht „Memmen“ sagen,
aber denkt auch an den Hexenwagen,
in dem ich einfach wurd‘ vergessen,
nur weil Euch Schnee und Kälte stressen,
nur weil es zieht ums Unterhöschen,
oh je, oh je, seid ihr Mimöschen.
Vielleicht wird auch zu viel getrunken,
so manche ist schon schwach gesunken
in des nächsten Besten Arm.
Da war es aus mit Hexencharme
vor lauter Suff. Es kommt noch krasser:
Nicht von Alkohol. Von Wasser!
Ach ja, Getränke. Was da hasch!
Verzählad des fei ned in Bages.
Da gäb’s Champagner! Nein, wie dumm,
die Hexen hier kredenzen Mumm
und brülln „Alaaf“ – ich bin ja platt,
als wäre Köln die Partnerstadt.
Und fordern einfach nach Belieben
den Hexensturm mal zu verschieben,
nur weil’s dem Landrat besser passt.
Bei dem ist man wohl lieber Gast,
da wird die Heimat zweite Wahl,
das ist doch wirklich illoyal.
Hier habt ihr’s eh zu toll getrieben,
nicht jeder will euch länger lieben,
der Hasen, Pizzeria, Krone
-das ist schon hexenfreie Zone.
Und bald folgt auch, seid auf der Hut,
das gute alte Rittergut.
Und überhaupt: Euer Gespann
funktioniert ja nur dank Mann.
Und leider habt ihrs nicht geschafft
zu holen Euch die wahre Kraft.
Denn was selbst Bürgermeister stützt,
hätt‘ auch Euch Hexen gut genützt.
Von 20 Jahre langen Strebens
ergab sich nix. Die Müh‘ vergebens.
Denn meine Frauen, alle drei,
blieben fern der Hexerei.
Tja, Hexen, nichts als Niederlagen,
da muss Erfüllung ich versagen.
Kein Hexengässle, kein Hexenland,
kein Parkplätzle am Rathausrand,
Lasst mich mit Zuschüssen in Ruh,
und auch das Gold’ne Buch bleibt zu.
Doch geb ich Euch bei einem recht:
Es war bei Euch nicht alles schlecht.
Ihr habt das Wir-Gefühl gestärkt,
ihr habt, das wird sehr wohl bemerkt,
das Brauchtum frisch reanimiert,
was den ganzen Ort wohl ziert.
und dabei nicht nur diesen Ort,
der Fasching setzt in Bages sich fort.
Und von unschätzbarem Wert
ist, dass ihr junge Hexen lehrt,
wie man dem Schultes, diesem Biest,
kräftig die Leviten liest.
Und: Es gibt kaum eine Stadt,
die Zeitzeugen der Gründung hat.
Wir haben Mammut, Pferdchen, und Trara!!!
der Hexen Chefin Walburga.
Mein Dank dafür, das soll nun sein
endlich ein Heim für den Verein.
Nicht einen Bau. Das wär zu teuer!
Nein, am Vogelherd ein Feuer,
das ist für Euch doch viel genialer,
und schont ja auch den Steuerzahler.
Richtet Euch ein und mit der Zeit,
da wird der Blocksberg blass vor Neid.
Da wird real dann die Vision
von der Touristenattraktion.
Ich weiß, ihr denkt Euch Euren Teil:
Der ist halt einfach denkmalgeil.
Doch mahne ich an das Gebot:
Sagt das nicht. Da seh ich rot.
Ihr wisst, das ist der Super-GAU.
Drum sind selbst Bodenlichter blau.
Und nicht nur das, ich bin ja schlau:
Sie sind natürlich königsblau.
Das ist, drauf war ich ganz versessen,
für mich als Kieni angemessen.

Sprach ich zu lang? Das war mein Plan!
Ich komm so schnell nicht wieder dran.
Drum nutzte ich die Gunst der Stunde.
Und jetzt mein Urteil für die Runde:
Tanzt, ihr Hexen, tanzt für mich,
das amüsiert mich königlich.

Und im Gewirr des Miteinanders
bedenkt:
„I bin halt oifach anders!“

* Name der Reaktion bekannt