Stadtnachricht

Landratsamt Heidenheim
Stellungnahme zur Presseinformation 17.14 des Zweckverbandes Landeswasserversorgung Stuttgart vom 20.10.2014


Die Fachbereiche Landwirtschaft sowie Bau und Umweltschutz nehmen zur Presseinformation des Zweckverbandes Landeswasserversorgung zum Thema „ Grundwasserschutz geht vor - starke Niederschläge unterbinden weitere Gülleausbringung“ Stellung, wonach eine Gülleausbringung auf allen Flächen aufgrund der Witterungsverhältnisse ab sofort untersagt ist. Wie die Fachbereichsleiter betonen, sei eine solche pauschale Aussage nicht möglich.

Nach § 5 Absatz 5 der Düngeverordnung darf das Aufbringen von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff oder Phosphat (hierzu gehören z.B. auch Gülle, Gärreste, Festmist, Komposte) nicht erfolgen, wenn der Boden u.a. wassergesättigt, überschwemmt, gefroren oder schneebedeckt ist. Ein Boden gilt dann als wassergesättigt, wenn der gesamte Porenraum wassergefüllt ist (Wasserlachen erkennbar). Die Regelung soll vor allem verhindern, dass es zu Abschwemmungen und Nährstoffeinträgen in Oberflächengewässer kommt.
Aufgrund der Niederschläge der vergangenen Tage und Wochen gibt es zahlreiche wassergesättigte Flächen, auf denen aktuell keine Düngung möglich ist. Eine pauschale Aussage, dass in einem Gebiet alle Flächen wassergesättigt sind, ist jedoch nicht möglich. Dies bedarf in aller Regel einer Einzelfallbeurteilung und entsprechender Vorortkenntnisse.
Bei entsprechenden Verhältnissen und vorhandenem Düngebedarf des Pflanzenbestandes ist daher eine angepasste Düngegabe bis zum Beginn der nach der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) und der Düngeverordnung geltenden Sperrfristen noch zulässig.

Nach der gültigen Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) ist in Wasserschutzgebieten (Problem- oder Sanierungsgebieten) die Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger (u.a. Gülle oder Biogasgärreste) auf Grünland und überwinterndes Feldfutter bis zum 30. Oktober möglich. Voraussetzung ist, dass der Boden nicht wassergesättigt, überschwemmt, gefroren oder schneebedeckt ist. Eine Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger auf Ackerflächen im Problem- oder Sanierungsgebiet ist schon zum jetzigen Zeitpunkt durch die SchALVO untersagt.
Verstöße gegen die Grundsätze einer ordnungsgemäßen Düngung werden im konkreten Einzelfall verfolgt. Hierfür ist ausschließlich das Landratsamt zuständig.

Auf allen landwirtschaftlich genutzten Flächen (also innerhalb und außerhalb von Wasserschutzgebieten) gilt grundsätzlich für flüssige Wirtschaftsdünger mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff die Sperrfrist der Düngeverordnung! Hierzu zählen Güllen, flüssige Biogasgärreste sowie Geflügelkot und feste Biogasgärreste mit hohen Ammoniumanteilen. Für diese Düngestoffe besteht auf Ackerflächen ein Ausbringverbot vom 1. November bis 31. Januar und auf Grünlandflächen vom 15. November bis 31. Januar.

Info: Ansprechpartner für Rückfragen im Landkreis Heidenheim ist Johannes Stängle (07321/321-1352) vom Fachbereich Landwirtschaft im Landratsamt.