Älteste Kunstwerke der Menschheit

In der Ausgabe vom 02.07.2007, im Magazin „Der Spiegel“ steht auf dem Titelblatt „Am Anfang war die Kunst“ und die Heidenheimer Zeitung tituliert die archäologischen Funde der Vogelherdhöhle in Niederstotzingen mit Artikel vom 09.10.2007 als „kultureller Urknall...“ Aber warum?

Postkarte Präsentation Mammut 2007

Wussten Sie, dass die ältesten figürlichen Kunstwerke der Menschheit aus dem Lonetal stammen?

Bei Ausgrabungen im Jahr 1931 hat der Tübinger Urgeschichtler Gustav Riek neben Steinwerkzeugen und Tierknochen sensationelle Entdeckungen gemacht. In Ablagerungen aus der Zeit von 35.000 bis 40.000 Jahren vor heute, einer Kulturstufe, die Aurignacien genannt wird, grub er zehn kleine Figuren aus Elfenbein aus. Diese Figuren gehören zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit und machten die Vogelherdhöhle weltberühmt!
 
Neben dem kleinen fast vollständig erhaltenen „Vogelherdpferdchen“, zeigen auch weitere vollplastische Elfenbeinfiguren wie Mammut, Bison und Höhlenlöwe, dass die Wiege der Kunst im Lonetal war.
 
2005 bis 2012 grub Professor Nicholas Conard und sein Tübinger Grabungsteam erneut an der Vogelherdhöhle aus. Im Abraum der Grabung Rieks konnten zahlreiche weitere sensationelle Funde gemacht werden. Neben unzähligen Stein- und Knochenwerkzeugen standen vor allem die figürlichen Kunstwerke im Fokus der Forschung. Und die Suche wurde belohnt: 2006 kam das vollständig erhaltene Mammut zu Tage. Dieser Fund löste einen wahren „Eiszeitboom“ aus und brachte die Schwäbischen Funde sogar auf die Titelseite des Spiegels. Und er führte schließlich zu der Eröffnung eines einzigartigen Besucherzentrums im Lonetal – des Archäopark Vogelherd – wo das kleine Mammut heute im Original zu bewundern ist.
 

 
Porträts der spektakulärsten Funde

Einmalig schön – das Lonetalpferd
Das Lonetalpferd ist mit 4,8 cm Länge zwar gerade so groß wie eine Streichholzschachtel. Aufgrund der überaus eleganten Ausführung kann es als ein Meisterwerk aus dem Vogelherd betrachtet werden. Die Rückseite ist nicht erhalten. Es ist 35.000 bis 40.000 Jahre alt und wurde 1931 gefunden. Die bläuliche Färbung ist nicht die ursprüngliche Farbe, sondern kommt durch eine Patina aus Mangan und Brauneisen zustande.



Lonetalpferd

Absolut einzigartig – das Mammut aus der Vogelherdhöhle

Das Mammut ist 3,7 cm lang und 7,5 Gramm schwer. Die Miniatur ist, wie alle anderen Figuren aus dem Vogelherd, rund 35.000 bis 40.000 Jahre alt. Sie wunde bei den Nachgrabungen unter der Leitung von Prof. Conard im Jahr 2006 gefunden. Bei näherer Betrachtung des Mammuts kann man einen sehr sorgfältig geschnitzten kleinen Schwanz, und deutlich herausgearbeitete Augen und Ohren erkennen. Die am Rüssel erkennbaren kleinen Einschnitte, stellen möglicherweise Stoßzähne dar. Es ist die einzige vollständig erhaltene Figur der Schwäbischen Eiszeitkunst und beeindruckt nicht nur Forscher, sondern auch Ästheten.


Mammut

Schmuck

Doch nicht nur die fantastischen Figuren aus dem Vogelherd belegen die kulturelle Raffinesse unserer Vorfahren vor 40.000 Jahren. Bei den Nachgrabungen 2005 bis 2012 konnten aufgrund der sorgfältigen Grabungsmethode winzige, nicht mal einen Zentimeter große Perlen aus Elfenbein geborgen werden. Zumeist handelt es  sich um die so genannten doppelt durchlochten Perlen – eine besondere Schmuckform, die nur im Schwäbischen Aurignacien vorkommt, und die die kulturelle Einheit der Menschen in den Fundstellen des Lone- und des Achtals dokumentieren.


Flöten
Die spektakulärsten Funde von Flöten stammen aus dem Geißenklösterle und dem Hohle Fels im Achtal, wo fast vollständige Exemplare aus Vogelknochen und Elfenbein in den Schichten des Aurignaciens gefunden wurden. Doch auch aus dem Vogelherd stammen einige Flöten, auch wenn diese weniger spektakulär aussehen, da sie nur in kleinen Fragmenten erhalten sind. Mindestens drei Stück sind belegt: zwei aus Vogelknochen und sogar eine Flöte aus Elfenbein wurden bei den Nachgrabungen gefunden. Die Schwäbischen Flöten sind die ältesten Nachweise für Musik weltweit!


Diese Funde führen uns vor Augen, dass man sich im Lonetal vor 40.000 Jahren nicht mehr nur auf die Herstellung von reinen Funktionsobjekten verstand. Vielmehr wandte man sich zunehmend auch symbolischen Objekten zu, wozu auch das Anfertigen von Musikinstrumenten, Schmuck und Kunst zählte. Dass beispielsweise für die Herstellung des Mammuts mehr als 48 Stunden Arbeitszeit nötig waren belegt, welche Bedeutung man diesen Figuren zumaß. Einige widmeten sich diesen Arbeiten mit enormer Kunstfertigkeit und ästhetischem Gespür und diese Objekte ziehen uns auch heute noch in ihren Bann.

Präsentation der archäologischen Funde: